Was sind Häusersysteme?

Sieht man sich ein persönliches Horoskop an, empfinden viele zunächst völlige Reizüberflutung: Bunte Linien, komische Symbole und eine geschnittene Torte in einzelnen Stückchen. Genau um diese Tortenstücke soll es nun gehen. Es sind die Häuser oder auch Lebensbereiche in deinem Horoskop.
Wie entstehen sie und wozu sind wie wichtig?
Horoskop bedeutet übersetzt so viel wie „Stundenschau“, oder „in die Stunde sehen“. Vor vielen tausend Jahren wurde der Sternenhimmel gut beobachtet und die Geschehnisse wurden notiert. Astrologie und Horoskope waren nur den oberen Herrscher und Regierungen vorbehalten und wurden von weisen Gelehrten übersetzt bzw. gedeutet.
Irgendwann – sehr viel später – veränderte sich das allmählich und die Horoskope wurden persönlicher. Es ging nicht mehr nur um Aussaat, Kriegsstrategien und Himmelserscheinungen, sondern um menschliche Charakterkunde und persönliche Entwicklung. Der einzelne Mensch und dessen Wesenszüge rückten in den Fokus.
Um treffsichere Aussagen machen zu können brauchte man allerdings auch genauere Techniken und Methoden, um so mehr ins Detail gehen zu können. Es wurden also verschiedene Teilungsarten entwickelt, welche das Horoskop in einzelne Bereiche unterteilen und damit konnten gezielte Aussagen getroffen werden.
Vom Tierkreis zu den Häusern

Schon in früherer Zeit legte man den Tierkreis in seinen 12 einzelnen Zeichen fest, die alle 30° vom Kreis groß waren. Das war ein erster Schritt, den auch die Mundanastrologie der Herrscher bereits bekannt war.

Das aber reicht noch nicht aus, wenn man eine einzelne Person „erkennen“ will. Es musste noch genauer gehen. Also fing man an von der Erde aus die 12-Teilung weiter zu führen. Es wurden 12 Strahlen/Speichen gezogen, die zur Ekliptik strahlten. Diese Teilungen wurden die theoretischen Häuserspitzen und die Halbbögen bildeten die Häuserbereiche. So entstanden die ersten ekliptikalen Systeme der Horoskope.
Mit der Zeit kamen immer neue Ideen und Vorschläge, wie man diese Unterteilung vollziehen könnte, um noch korrektere Unterteilungen zu erhalten. Der Schnittpunkt des Sonnenaufgangs und der höchste kulminierende Punkt waren bei allen Methoden gleich. Daran war auch nicht wirklich zu rütteln. Diskussionsbedarf gab und gibt es noch immer bei den Einteilungen der Zwischenhäuser. Diese ergeben sich in den verschiedenen Berechnungen durch völlig unterschiedliche Ansätzen und Bezugspunkte.
Raum- und Zeitsysteme
Raumsysteme
Wie bereits erwähnt gibt es die Methoden, die sich auf die Ekliptik beziehen. Das sind die ekliptikalen Häusersysteme. Es gibt aber auch noch Raumsysteme und Zeitsysteme, die auf ganz unterschiedlichen Grundannahmen basieren. Raumsysteme teilen auf unterschiedliche Weise den Raum um die Erde herum in 12 Teile auf. Dies ist bei allen gleich. Nur auf welche Weise sie das machen und worauf sie sich dabei beziehen ist sehr unterschiedlich.
Es kommt darauf an, auf welchen Großkreis der Erde man sich bezieht. Campanus bezog sich auf den „ersten Vertikal“ – einem Gegenkreis zum Meridian, Regiomontanus auf den Himmelsäquator, ebenso wie Morin, auch wenn es bei beiden doch erhebliche Unterschiede in der Aufteilung und Berechnung zu verzeichnen gab.
Zeitsysteme
Die Zeitsysteme basieren wieder auf ganz anderen Annahmen bei der Aufteilung. Hier ging es um die Zeit, die zwischen zwei Punkten vergeht, nicht um den Raum an sich. Placidus, ein Mönch und Mathematiker aus Italien des 17. Jahrhunderts, erfand die nach ihm benannte Berechnungsmethode. Es ist das heute am meist benutzte Häusersystem in Mitteleuropa. Hier geht es also um die vergehende Zeit, die jeder Grad im Horoskop zurücklegt. Es gibt einen Tag- und einen Nachtbogen. Diese beziehen sich auf den Geburtsort. Diese Methode kann zu sehr unterschiedlich großen Häusern führen.
Die GOH-Häuser (Geburtsort-Häusersystem, auch als Koch-Häuser bekannt) entstanden 1971 und gehören ebenfalls zu den Zeitsystemen. Sie sind auch eine sehr beliebte Variante der Häuserberechnung. Auch hier werden Zeitdifferenzen auf ihre Weise gemessen und in Bezug zum Geburtsort gesetzt.
Polich und Page setzten 1961 auf das topozentrische Häusersystem. Es ist genaugenommen eine Verfeinerung der Placidus-Methode, nur mit etwas anderen Bezugspunkten.
Das Problem bei der Teilung der Häuser ist, dass sie uns mit zweierlei Problemen konfrontiert:
- Es gibt Themen bei der physikalischen, mathematischen und geometrischen Vorgehensweise.
- Die Themen mit der konzeptionellen Grundlage der Häusermethoden und der astrologischen Zielsetzung.
Alle Raumsysteme- außer dem von Morin- leiden unter Verzerrungen der Häuser. Bei den Zeitsystemen wird es noch komplizierter, denn deren Berechnung wir ab einer geografischen Breite von mehr als 65° schwierig bis unmöglich, weil sich die Bezugspunkte zueinander zu stark verzerren. Den gültigen Bereich der Systeme erkennt ihr zwischen den roten Linien auf der Weltkarte. Das ist etwa der 65. Breitengrad:

Für jeden das passende System
Unter dem Strich muss jeder für sich ein stimmiges Berechnungssystem finden, das zu der jeweiligen Arbeitsweise passt. Jeder astrologisch Begeisterte sollte sich aber mit dieser Thematik auseinandersetzen, denn diese Berechnung der Häuser ist die Grundlage unserer Arbeit. Damit sollten wir uns zumindest befasst haben. Mir persönlich macht es sehr viel Freude hinter die Dinge zu blicken und rauszufinden, warum die Dinge so sind, wie sie sind und wie sie entstehen.
Ich arbeite mit dem Placidus-Häusersystem, bin aber immer offen für die Stimmigkeit der einzelnen in sich stimmigen Berechnungsvarianten.
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